2026-02-10

Klaus Praschak: Innere Macht statt äußere Projektion - Von „Sie“ zu „Wir“


Es gibt tatsächlich eine Auseinandersetzung, die nicht primär auf äußeren Schlachtfeldern stattfindet, sondern im Inneren des Menschen. Angst, Hoffnungslosigkeit, innere Verwahrlosung und moralische Erosion schwächen Menschen, nicht etwa, weil „jemand“ uns direkt beherrscht, sondern weil wir ohne inneren Halt leichter manipulierbar, steuerbar und resigniert werden. In diesem Sinn ist der Konflikt tatsächlich spirituell, weil er die Ebene des Bewusstseins, der Werte und der inneren Ausrichtung betrifft. Sehr stimmig empfinde ich auch den Gedanken, dass Moral, Anstand, Hoffnung und Mut keine abstrakten Ideale sind, sondern innere Kräfte. Wenn sie schwinden, verlieren wir unsere innere Standfestigkeit. Angst verengt Wahrnehmung, Unsicherheit lähmt Handlung, Hoffnungslosigkeit entzieht Sinn, Verwahrlosung zerstört Selbstachtung. Das sind reale psychisch-spirituelle Prozesse und keine Metaphern. Gleichzeitig liegt in diesen Zeilen eine Gefahr, die ich klar benennen möchte, denn auch die Formulierung „ spiritueller Krieg“ erzeugt leicht ein äußeres Feindbild. Sobald der innere Kampf externalisiert wird, verschiebt sich die Verantwortung. Dann beginnt man, Kräfte im Außen zu bekämpfen, statt die eigentliche Arbeit im Inneren zu leisten. Spirituell reif wird diese Sicht erst dort, wo klar wird, dass wir dazu neigen, Verantwortung nach außen zu verlagern, an Machthaber, Systeme oder ein diffuses „Sie“. Das gibt kurzfristig Entlastung, weil es die eigene Ohnmacht erklärt. Doch genau dabei übersehen wir das Wesentliche, nämlich die Macht des Selbst, das „Wir“, als innere Autorität.

Solange Macht ausschließlich außerhalb von uns verortet wird, bleiben wir innerlich abhängig. Wir reagieren, empören uns, fürchten uns, aber wir gestalten nicht. Das Selbst hingegen beginnt dort, wo Verantwortung nicht mehr delegiert wird. Es ist kein Machtinstrument, sondern ein Bewusstseinsraum, aus dem Haltung, Entscheidung und Handlung erwachsen. „Sie“ können nur dort wirken, wo Menschen ihre innere Ausrichtung verlieren. Angst, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit sind keine Waffen von außen, sondern Zustände, die im Inneren Raum bekommen. Wird dieser Raum bewusst gehalten, verlieren äußere Machtstrukturen ihre größte Stärke, nämlich die unbewusste Zustimmung. Das „Wir“ ist dabei kein anonymer Kollektivbegriff. Es entsteht aus vielen Einzelnen, die ihre innere Verantwortung nicht abgeben. Menschen, die nicht alles kontrollieren wollen, aber sich auch nicht innerlich entmündigen lassen. In diesem Sinn liegt die eigentliche Macht nicht im Widerstand gegen „sie“, sondern in der Rückverlagerung der Autorität nach innen. Das ist genau die Bewegung, die jetzt gemeint ist, nicht gegen andere gerichtet um zu kämpfen, sondern für etwas einzustehen, nämlich für Klarheit, Würde, Mitgefühl und Wahrheit im eigenen Wirkraum. Dort beginnt das „Wir“ und dort verliert das namenlose „Sie“ seine Projektion und damit seine Macht.

Der eigentliche „Krieg“ ist daher kein Kampf gegen andere Menschen, Gruppen oder Systeme, sondern ein Ringen um innere Ausrichtung. Es geht nicht um Licht gegen Dunkel im äußeren Sinn, sondern um Bewusstheit gegen Erstarrung, Wahrhaftigkeit gegen Selbsttäuschung, Mut gegen Resignation. Sobald man das erkennt, verändert sich auch die Haltung, weniger Kampf, mehr Klarheit; weniger Anklage, mehr Verantwortung. Nicht Angst herrscht über Menschen, sondern Menschen verlieren ihre innere Freiheit, wenn Angst ihr Denken bestimmt. Nicht die Hoffnungslosigkeit ist Macht, sondern die Abwesenheit von Sinn und nicht ein äußerer Gegner gewinnt, sondern innere Orientierungslosigkeit. Dann wird aus der Aussage keine Drohung, sondern ein Aufruf zur inneren Integrität. Keine Passivität, kein Kampf, sondern Wachheit. Werte leben, Mut verkörpern, Menschlichkeit bewahren und gerade dann, wenn es unbequem wird.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

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