Solange Macht ausschließlich außerhalb von uns verortet wird, bleiben wir innerlich abhängig. Wir reagieren, empören uns, fürchten uns, aber wir gestalten nicht. Das Selbst hingegen beginnt dort, wo Verantwortung nicht mehr delegiert wird. Es ist kein Machtinstrument, sondern ein Bewusstseinsraum, aus dem Haltung, Entscheidung und Handlung erwachsen. „Sie“ können nur dort wirken, wo Menschen ihre innere Ausrichtung verlieren. Angst, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit sind keine Waffen von außen, sondern Zustände, die im Inneren Raum bekommen. Wird dieser Raum bewusst gehalten, verlieren äußere Machtstrukturen ihre größte Stärke, nämlich die unbewusste Zustimmung. Das „Wir“ ist dabei kein anonymer Kollektivbegriff. Es entsteht aus vielen Einzelnen, die ihre innere Verantwortung nicht abgeben. Menschen, die nicht alles kontrollieren wollen, aber sich auch nicht innerlich entmündigen lassen. In diesem Sinn liegt die eigentliche Macht nicht im Widerstand gegen „sie“, sondern in der Rückverlagerung der Autorität nach innen. Das ist genau die Bewegung, die jetzt gemeint ist, nicht gegen andere gerichtet um zu kämpfen, sondern für etwas einzustehen, nämlich für Klarheit, Würde, Mitgefühl und Wahrheit im eigenen Wirkraum. Dort beginnt das „Wir“ und dort verliert das namenlose „Sie“ seine Projektion und damit seine Macht.
Der eigentliche „Krieg“ ist daher kein Kampf gegen andere Menschen, Gruppen oder Systeme, sondern ein Ringen um innere Ausrichtung. Es geht nicht um Licht gegen Dunkel im äußeren Sinn, sondern um Bewusstheit gegen Erstarrung, Wahrhaftigkeit gegen Selbsttäuschung, Mut gegen Resignation. Sobald man das erkennt, verändert sich auch die Haltung, weniger Kampf, mehr Klarheit; weniger Anklage, mehr Verantwortung. Nicht Angst herrscht über Menschen, sondern Menschen verlieren ihre innere Freiheit, wenn Angst ihr Denken bestimmt. Nicht die Hoffnungslosigkeit ist Macht, sondern die Abwesenheit von Sinn und nicht ein äußerer Gegner gewinnt, sondern innere Orientierungslosigkeit. Dann wird aus der Aussage keine Drohung, sondern ein Aufruf zur inneren Integrität. Keine Passivität, kein Kampf, sondern Wachheit. Werte leben, Mut verkörpern, Menschlichkeit bewahren und gerade dann, wenn es unbequem wird.
Klaus Praschak
Bild: printerest.de danke

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