2026-08-01

Klaus Praschak: Die Frage nach dem ursprünglichen Sinn des Lebens



Die Frage nach dem ursprünglichen Sinn des Lebens lässt sich für mich nicht von Gott trennen. Seit meinen außerkörperlichen Erfahrungen besteht für mich kein Zweifel mehr daran, dass unser irdisches Leben nicht mit dem Tod endet. Erst dadurch erhielt für mich vieles, was Jesus und die Mystiker lehrten, eine Tiefe, die ich zuvor nicht erfassen konnte.

Ich beobachte, dass sich in unserer Zeit immer mehr Menschen von Gott entfernen. Gleichzeitig scheinen viele den tieferen Sinn ihres Lebens aus den Augen zu verlieren. Wo das Bewusstsein fast ausschließlich auf den Alltag, auf Leistung, Besitz und äußere Sicherheiten gerichtet ist, bleibt für die göttliche Wirklichkeit kaum noch Raum.

Nach meinen Erfahrungen wird jedoch jeder Mensch eines Tages mit Gott und zugleich mit seinem eigenen So-Sein konfrontiert. Ich verstehe das Jüngste Gericht deshalb nicht als ein Strafgericht, sondern als einen Augenblick vollkommener Wahrheit. In diesem Licht kann nichts mehr verborgen werden. Der Mensch erkennt sich selbst so, wie er geworden ist.

Es ist nicht Gott, der den Menschen straft, denn Gott ist Liebe. Doch gerade diese vollkommene Liebe lässt uns unser eigenes Wesen erkennen. Was wir während unseres Erdenlebens in unserem Herzen genährt haben, begegnet uns in einer Klarheit, der wir nicht mehr ausweichen können.

Deshalb glaube ich, dass der Himmel oder auch die Gottesferne nicht von außen über den Menschen verhängt werden. Sie erwachsen aus dem Zustand seines eigenen Herzens. Wer die Liebe Gottes in sich aufgenommen hat, erfährt eine Freiheit und Geborgenheit, die sich mit unseren irdischen Worten kaum beschreiben lässt. Wer sich der Liebe verschlossen hat, begegnet zunächst den Folgen dieser inneren Trennung. Es ist nicht als Strafe Gottes gedacht, sondern als Hilfe zur Erkenntnis.

Seit diesen Erfahrungen sehe ich den eigentlichen Sinn des Lebens darin, die unermessliche Liebe Gottes immer tiefer zu erkennen und ihr im eigenen Leben Raum zu geben. Je mehr wir diese Liebe in uns aufnehmen, desto mehr beginnt sie unser Denken, unser Fühlen und unser Handeln zu verwandeln. Und in dem Maß, wie wir diese Liebe weitergeben, wächst unsere Verbundenheit mit Gott.

Für mich ist das der tiefste Sinn unseres Erdenlebens, nicht möglichst viel zu besitzen oder zu erreichen, sondern immer mehr zu dem Menschen zu werden, als den Gott uns von Anfang an gedacht hat - einem Menschen, dessen Wesen von Liebe durchdrungen ist.

Viele Menschen fordern heute gerechte Strafen für andere. Doch die irdische Gerechtigkeit bleibt immer unvollkommen. Sie kann sich irren, sie kann manipuliert werden und manchmal ist sie sogar käuflich. Die göttliche Gerechtigkeit hingegen ist vollkommen, weil sie aus der Liebe und der Wahrheit Gottes hervorgeht. Sie täuscht sich nicht und lässt sich nicht beeinflussen.

Deshalb richte ich meinen Blick immer weniger auf Vergeltung und immer mehr auf das, was Leben hervorbringt. Ich verstehe den Schmerz und auch die Wut angesichts all der Ungerechtigkeit, die uns täglich begegnet. Doch wenn wir unsere ganze Aufmerksamkeit dem Unrecht schenken, verliert das Liebenswerte in unserem Herzen seinen Platz.

Wir sind nicht deshalb hierhergekommen um das Böse mit noch mehr Hass zu beantworten, sondern um der Liebe Raum zu geben, wo sie zu verschwinden scheint. Jesus brachte diese Haltung in einem einzigen Satz auf den Punkt: „Liebt eure Feinde.“ Für den Verstand mag das paradox erscheinen, weil er glaubt das Unrecht dadurch gutzuheißen, jedoch ist die Liebe stärker als alles, was sie überwinden möchte. Wer seine Feinde liebt, befreit zuerst sein eigenes Herz aus der Gefangenschaft von Hass und Vergeltung. Dort beginnt die Freiheit, die Jesus uns zeigen wollte.

Klaus Praschak

Bild: Netzfund danke

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.

Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.