2026-08-05

Klaus Praschak: Grenzerfahrung der Wahrnehmung - Hinter dem Spiegel der Welt


Die Welt ist nicht so fest, wie die meisten Menschen glauben oder wie es ihnen beigebracht wurde. Was wir Wirklichkeit nennen, ist nur die äußerste Schicht eines viel tieferen Seins. Die Materie ist nicht die eigentliche Wirklichkeit. Sie ist lediglich die sichtbare Verdichtung des Unsichtbaren. Erst wenn wir uns ausschließlich mit ihr identifizieren, wird sie zum Gefängnis unseres Bewusstseins.

Hinter dem bleiernen Vorhang unserer Sinne wartet ein Licht, das nicht danach fragt, ob wir an seine Existenz glauben. Es wartet geduldig darauf, dass wir den Mut finden, unseren Blick nach innen zu richten. Erst wenn der Spiegel der Welt zerbricht, erkennen wir, dass das Licht niemals hinter dem Vorhang verborgen war, sondern immer schon in uns geleuchtet hat. Wenn Menschen in diesem Zusammenhang von Portalen sprechen, können sie allerdings sehr Unterschiedliches meinen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es Orte gibt, an denen mein Bewusstsein in besonderer Weise reagiert und es mir leichter fällt, meine Wahrnehmung zu verändern. Solche Orte habe ich als kraftvoll und inspirierend erlebt. Doch ich habe niemals den Eindruck gewonnen, dass dort physische Tore in andere Welten geöffnet würden. Vielmehr scheint sich an solchen Orten etwas in unserem Inneren zu öffnen. Für mich liegt hier ein wichtiger Unterschied.

In den vergangenen Jahren ist ein Trend entstanden, bestimmte technische Anlagen oder geografische Orte als physische Tore in andere Dimensionen zu bezeichnen. Häufig werden diese Vorstellungen mit geheimem Wissen, außerirdischen Lebensformen oder verborgenen Mächten verknüpft. Wo jedoch Geheimnisse vermutet werden, entsteht zwangsläufig auch ein großer Raum für Spekulationen und Inszenierungen.

So werden heute viele Menschen weniger durch unmittelbare Erfahrung als durch faszinierende Geschichten beeinflusst. Wer selbstbewusst auftritt, Geheimwissen andeutet und komplexe Zusammenhänge scheinbar einfach erklärt, wirkt schnell glaubwürdig. Die sozialen Medien verstärken diesen Effekt zusätzlich. Dort gewinnt häufig nicht derjenige, der am sorgfältigsten zwischen Erfahrung, Vermutung und Tatsache unterscheidet, sondern derjenige, der die faszinierendste Geschichte erzählt.

Ich möchte damit keineswegs behaupten, dass wir bereits alles über unsere Welt wissen. Im Gegenteil. Meine eigenen Erfahrungen haben mich gelehrt, dass unsere Wirklichkeit weit mehr umfasst, als unsere fünf Sinne erfassen können. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, zwischen einer unmittelbaren spirituellen Erfahrung und einer unbelegten Behauptung zu unterscheiden.

Für mich beginnt Spiritualität dort, wo die Liebe zur Wahrheit größer ist als die Sehnsucht nach Sensationen. Ich habe gelernt, außergewöhnliche Erfahrungen ernst zu nehmen, außergewöhnlichen Behauptungen jedoch nicht blind zu glauben.

Für mich liegen die eigentlichen Portale nicht an bestimmten Orten dieser Welt, sondern in unserem Bewusstsein. Es muss sich nicht die Welt öffnen - sondern unser Herz. Denn je stiller der Mensch wird, desto durchlässiger wird sein Bewusstsein für jene Wirklichkeit, die hinter der sichtbaren Welt immer gegenwärtig ist.

Deshalb sage ich mir: Nicht alles glauben, weil jemand etwas überzeugend behauptet, sondern prüfen, ob es zur eigenen Erfahrung und inneren Wahrheit in Resonanz steht.

Klaus Praschak
Bild: printerest.de

Quelle: Klaus Praschak

1 Kommentar:

  1. Oh ja, Bruder Klaus 😇😀, ich beobachte das genauso wie du. Die innere Erfahrungswelt wurde nach außen verlagert, und zwar mit wunderbaren Geschichten. Am liebsten wurden alte mystische Geschichten darüber gelegt, und sie wurden geglaubt – so sehr geglaubt. Eine Welt voller märchenhafter Tore, Pyramiden, die dich in eine andere Welt bringen, Außerirdische, die kommen und uns wertvolle Technik bringen, Steinkreise, die astrologische Übergänge öffnen, und so weiter. Ah, wie schön wäre es, wenn es das alles wirklich geben würde. Wie im Märchen würden wir uns fühlen. Aber im Märchen wurde aus einem armen Mädchen und einem Bauernjungen nicht umsonst ein König und eine Königin. Sie mussten viele Prüfungen durchstehen. Sterntalerchen musste alles hergeben, was sie besaß, bis sie ganz nackt war.
    Wir kennen das alles, aber trotzdem glauben wir, dass uns die Pyramiden einfach in einen Aufzug hochschicken, ohne je mit unseren inneren Dämonen gekämpft zu haben.
    Im Kino gab es früher eine weiße Leinwand, und auch in der Esoszene war die weiße Leinwand mal in aller Munde. Aber der Trick dabei ist, die weiße Leinwand zu sehen, während der Film läuft – und zwar der Film in uns. 💓🌹

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