Doch in letzter Zeit frage ich mich … wo sind sie alle hin? Manche der Menschen, die einst alles hinterfragten, wirken nun erschöpft davon, überhaupt noch etwas zu hinterfragen. Manche, die über Heilung sprachen, ließen sich von Wut vereinnahmen. Andere, die von Einheit sprachen, fanden neue Gruppen, die sie hassen konnten. Manche, die sich Freiheit wünschten, entschieden sich am Ende einfach für eine andere Stimme, die ihnen vorschrieb, was sie glauben sollten.
Und ich sage das nicht, um zu urteilen, denn ich kann es verstehen. Das Erwachen kann anstrengend sein, wenn man glaubt, es bedeute die ständige Suche nach der nächsten verborgenen Wahrheit, der nächsten Offenbarung, dem nächsten Ding, das es aufzudecken gilt. Irgendwann lässt der Adrenalinschub nach. Die endlose Informationsflut wird zu bloßem Lärm. Das Leben klopft wieder an die Tür. Rechnungen müssen bezahlt, Familien versorgt werden. Herzen werden gebrochen. Und früher oder später lassen sich die eigenen Wunden nicht mehr so leicht ignorieren wie all das, was im Außen geschieht.
Vielleicht sind manche Menschen gar nicht wirklich wieder eingeschlafen. Vielleicht haben sie jenen Teil des Erwachens erreicht, über den niemand so recht spricht: jenen Punkt, an dem es bei der Reise nicht mehr um all das „da draußen“ geht, sondern der Blick sich nach innen richtet.
Denn Korruption in der Welt aufzuspüren, kann weitaus einfacher sein, als Unehrlichkeit in uns selbst zu finden. Institutionen zu hinterfragen, kann leichter sein, als das eigene Ego zu hinterfragen. Die Konditionierungen eines anderen zu erkennen, ist einfacher, als die eigenen zu sehen. Und auf all das hinzuweisen, was sich in der Welt ändern muss, ist viel einfacher, als sich vor den Spiegel zu stellen und zu fragen, was sich in uns selbst noch ändern muss.
Wahres Erwachen sollte niemals zu einer weiteren Identität, einem weiteren Lager, einem weiteren Glaubenssystem oder einem weiteren Raum voller Gleichgesinnter werden. Es sollte uns bewusster, mitfühlender, urteilsfähiger und demütiger machen – und uns mehr Verantwortung für die Energie übernehmen lassen, die wir in diese Welt tragen. Vielleicht ist das der Punkt, an dem die Menschheit gerade steht. Der erste Teil des Erwachens bestand darin, zu erkennen, dass etwas nicht stimmt. Der tiefere Teil mag die Erkenntnis sein, dass es nicht ausreicht, nur zu wissen, was falsch läuft. Irgendwann müssen wir selbst zu dem werden, was wir – wie wir jahrelang betont haben – in der Welt sehen wollen.
Wenn es also so aussieht, als wären die Menschen wieder eingeschlafen, versuche ich, die Hoffnung nicht zu verlieren. Samen können lange unter der Erde ruhen, bevor an der Oberfläche etwas sichtbar wird. Manche Menschen ruhen sich vielleicht aus. Manche sind überfordert. Manche verarbeiten gerade all das, was sie erlebt haben. Und andere suchen noch immer im Stillen. Und ja, manche haben vielleicht einfach einen Traum gegen einen anderen eingetauscht, ohne es zu merken.
Doch unsere Aufgabe war es nie, alle anderen wachzurütteln. Unsere Aufgabe ist es, selbst wach zu bleiben. Weiterhin Fragen zu stellen, zu heilen, zu lieben, zu wachsen – und vor allem: niemals so sehr von unserem eigenen Erwachen überzeugt zu sein, dass wir aufhören, uns selbst zu hinterfragen.
Denn vielleicht ist der tiefste Schlaf von allen der Glaube, es gäbe in unserem Inneren nichts mehr, aus dem wir erwachen müssten.
ZF 🔥
Quelle: Zachary Fisher
[übersetzt von mascha: Herzlichen Dank Zachary💖Wir freuen uns über eure Unterstützung, Von Herzen Danken wir Euch💖]

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