2018-08-05

Verursachen Elfen und Trolle Unfälle auf der A2?


Wenn das Thema nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen: Mit einer mindestens fragwürdigen Methode soll die Unfallhäufigkeit auf der Autobahn 2 reduziert werden. Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet, hat die selbst ernannte Elfenbeauftragte Melanie Rüter die Strecke "energetisch versiegelt" - und zwar mit der Unterstützung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

Als Ursache für die vielen Unfälle auf der A2 macht Rüter "aufgebrachte Naturwesen" aus, die rebellierten und sich ihr Stück Natur zurückholen wollten. Konkret richtet sich der Verdacht gegen Elfen, Zwerge und Trolle. Die Autobahn 2 ist in den vergangenen Monaten aus den Negativ-Schlagzeilen kaum noch herausgekommen. Fast täglich gab es hier schwere Verkehrsunfälle, häufig kamen dabei Menschen ums Leben.

Behörde nimmt Angebot der Elfenberaterin an

Wie die Elfenbeauftrage Melanie Rüter aus Deensen (Landkreis Holzminden) gegenüber NDR.de bestätigte, hat sie am 19. Juni zusammen mit einer Tierkommunikatorin und zwei Mitarbeitern der Landesstraßenbaubehörde fünf neuralgische Punkte an der A2 zwischen Lehrte und Braunschweig aufgesucht. "Ich hatte der Behörde einfach mal eine E-Mail geschrieben, aber ehrlich gesagt nicht mit einer Antwort gerechnet", sagte Rüter. "Ich hätte eher erwartet, dass die einen Wagen vorbeischicken, um mich einliefern zu lassen." Das geschah nicht, stattdessen erfolgte die Einladung zum Besuch der A2.

Ortstermin mit der Elfenbeauftragten

An den neuralgischen Punkten der A2 hätten die Frauen sofort "sehr traurige Energien" gespürt, so Rüter. Sie und die Tierkommunikatorin hätten den Dialog mit den beteiligten Naturwesen gesucht, sie um Verzeihung gebeten und auf diese Weise die Strecken "energetisch versiegelt". Die beiden Frauen sind fest davon überzeugt, dass die künftigen Unfallzahlen ihre Arbeit bestätigen werden. Tatsächlich aber hat es seit dem Termin im Juni schon wieder mehrere tödliche Unfälle gegeben. Ob vielleicht die Hitze nicht nur dem Straßenbelag zusetzt, sondern auch der "energetischen Versiegelung"? Fragen über Fragen.

Behörde: Keine zusätzlichen Kosten

Der Chef der Landesstraßenbaubehörde in Hannover, Friedhelm Fischer, begründete die ungewöhnliche Maßnahme damit, dass sein Haus eine offene Behörde sei, die allen Bürgern gerecht werden wolle und viele Aktivitäten unterstütze. Er selbst sei aber eher ein "wissenschaftlich-skeptischer Typ." Zusätzliche Kosten seien nicht entstanden, da der Einsatz mit einer ohnehin geplanten Streckenkontrollfahrt und kleinen Reparaturen an einem Wildschutzzaun verbunden worden sei. Der irdische Stundensatz der Elfenbeauftragen (60 Euro, Tätigkeiten außerhalb der Praxis nach Absprache) kam demnach nicht zur Anwendung. "Wir haben das nicht aus finanziellem Interesse gemacht, sondern weil wir den Menschen helfen wollen", sagte Rüter. Da freut sich der Steuerzahler.

Und was ist mit den realen Unfallursachen?

Tatsächlich ist in den Unfallberichten der Polizei aber bislang eher selten von zu schnell fahrenden Elfen oder Trollen mit Handy am Steuer die Rede. Recht häufig wird dort dagegen sehr irdisches Fehlverhalten von menschlichen Verkehrsteilnehmern als Grund für schwere und auch tödlich verlaufende Unfälle genannt: Baustellen, zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand, Smartphone-Nutzung am Steuer, Überschreitung von Lenkzeiten. Ob die zuständigen und im Wesentlichen wissenschaftlich-skeptisch geleiteten Behörden in Niedersachsen künftig verstärkt auch gegen diese tatsächlichen Unfallursachen vorgehen wollen, war am Wochenende nicht zu erfahren.

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