Der VERSTAND ist dabei oft wie ein emsiger Baumeister.
Er ordnet, wägt ab, zieht Linien zwischen Ursache und Wirkung. Er denkt voraus, schaut zurück, prüft Möglichkeiten. Er fragt nach Gerechtigkeit, nach Folgen, nach dem, was trägt, wenn der Augenblick vergangen ist. Der Verstand schenkt Struktur und Halt – ein Geländer auf schmalen Pfaden.
Das GEFÜHL hingegen ist der Pulsschlag des Lebens.
Es weiß oft schneller als jedes Argument, was uns nährt und was uns schadet. Es spricht von Nähe und Verlust, von Sehnsucht und Mut. Gefühle verbinden uns mit anderen Menschen und mit uns selbst. Sie geben dem Leben Farbe, Tiefe und Richtung.
Doch jedes für sich bleibt unvollständig.
Ein Verstand ohne Gefühl kann hart werden, fern vom Leben, gefangen im Abwägen.
Ein Gefühl ohne Verstand kann sich verlieren, unstet, impulsiv, verführbar durch Wunschbilder.
Zwischen beiden wirkt die INTUITION, DIE INNERE STIMME DER SEELE – grundlegend und doch unerklärlich.
Sie ist kein lauter Ruf, sondern ein geheimnisvolles Wissen. Kein Beweis, sondern eine innere Zustimmung. Oft erwächst sie aus Erfahrungen, die wir längst vergessen glaubten, aus Wahrnehmungen, die nie ausgesprochen wurden. Wer ihr noch nicht vertraut, muss sie erst kennenlernen – durch Irrtum und Erkenntnis. Manchmal mischt sich unversehens Angst darunter, die vom Verstand kommt, manchmal müssen alte Wunden im Erleben erst noch ausheilen. Wahre Intuition drängt nicht. Sie ist ruhig. Sie wartet weise bis der passende Moment kommt, das Herz sich weitet und die Persönlichkeit den Rat versteht und annehmen kann.
Unsere WERTE sind der innere Kompass.
Sie fragen nicht, was bequem ist, sondern was wahrhaftig ist. Ehrlichkeit, Freiheit, Mitgefühl, Sicherheit, Wachstum – sie tragen uns durch Zeiten, in denen Gefühle schwanken. Viele Werte haben wir von der Gesellschaft übernommen, ohne sie je geprüft zu haben, und viele passen nicht wirklich zu uns. Doch wenn wir sie weise auswählen und klären, können sie unserem Handeln Würde und Richtung verleihen.
Die ERFAHRUNG webt all dies zusammen.
Sie ist kein Wissen aus Büchern, sondern gelebtes Leben. Sie nimmt absolut formulierten Maximen ihre Schärfe und schenkt Gelassenheit. Erfahrung macht Entscheidungen demütiger, realistischer, menschlicher. Doch auch sie will betrachtet werden – denn unverstandene Erfahrung kann ängstlich machen, statt weise.
Und da ist schließlich der KÖRPER, dieser ehrliche Zeuge.
Er spricht, lange bevor Worte entstehen. Enge, Druck, Unruhe – oder Weite, Ruhe, Klarheit. Müdigkeit, Hunger, Überforderung trüben unseren Blick. Der Körper lügt nicht, aber er erinnert sich. Alte Ängste können sich in ihm melden, selbst wenn die Gefahr längst vorüber ist. Wer ihn übergeht, trifft oft „vernünftige“ Entscheidungen, die jedoch das Gemüt allmählich krank machen.
So entsteht ein Zusammenspiel, ein stiller Chor:
• Das Gefühl fragt: Was bewegt mich?
• Der Verstand prüft: Was spricht dafür oder dagegen?
• Die Intuition flüstert: Was stimmt JETZT?
• Die Werte erinnern: Wofür stehe ich?
• Die Erfahrung sagt: Das habe ich gelernt.
• Der Körper mahnt: Was kann ich tragen?
Eine gute Entscheidung ist selten vollkommen.
Aber sie ist für den Menschen und dessen Situation stimmig.
Und vielleicht ist genau das genug – in einem Dasein, das wir als EIN GESCHENK ERLEBEN.
Quelle: Otfried Weise

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