2026-02-12

Klaus Praschak: Zwischen Reset und Reifung


In letzter Zeit, insbesondere nach Veröffentlichung bestimmter Files, wird auffallend häufig davon gesprochen, dass wir uns von „schlechten Energien“ befreien müssten. Retreats versprechen Reinigung, Rituale sollen schützen, als würde uns etwas Unsichtbares von außen angreifen. Doch es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und zu fragen: Greift uns wirklich etwas von außen an oder gerät in uns etwas ins Wanken? Wenn Weltbilder bröckeln, Sicherheiten sich auflösen und vertraute Deutungen nicht mehr tragen, fühlt sich das bedrohlich an. Das Nervensystem reagiert mit Alarm, und dieser Alarm wird schnell als äußere Dunkelheit gedeutet. Doch womöglich erleben wir weniger einen Angriff, als vielmehr den Schmerz einer inneren Neuordnung.

Was in den vergangenen Wochen öffentlich wurde, berührt zutiefst und besonders dort, wo Kinder betroffen sind, reagiert das menschliche Herz empfindlicher und das ist Ausdruck gesunder Empathie. Doch gerade in dieser Berührbarkeit liegt eine Verantwortung. Mitgefühl muss gefühlt werden, ja es darf uns erreichen, darf uns still machen, darf uns innerlich bewegen. Aber es darf nicht in Selbstmitleid oder kollektive Ohnmacht kippen. Denn wenn wir im Schmerz stecken bleiben, verlieren wir die Klarheit, die jetzt ebenso notwendig ist wie das offene Herz. Es geht nicht darum, unberührt zu bleiben. Es geht darum, berührt zu sein, ohne innerlich zu zerbrechen. Warm zu bleiben, ohne zu verbrennen. Nur so wird Mitgefühl zu einer Kraft und nicht zu einer weiteren Welle von Angst. In manchen Kreisen verdichtet sich derzeit der Eindruck, als liefen die Ereignisse unaufhaltsam auf einen großen „Reset“ hinaus. Politische Spannungen, gesellschaftliche Spaltungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, moralische Erschütterungen, alles scheint sich zu bündeln, als würde ein Punkt näher rücken, an dem nichts mehr so sein wird wie zuvor. Videos, Analysen und Szenarien verstärken dieses Gefühl einer bevorstehenden Zäsur. Für die einen ist es ein bedrohlicher Kontrollverlust, für andere eine notwendige Reinigung. Doch was sich in dieser Erwartung spiegelt, ist weniger eine gesicherte Prognose als ein kollektives Empfinden, dass das Alte nicht mehr trägt und wo das Vertrauen in bestehende Strukturen bröckelt, entsteht schnell die Vorstellung eines radikalen Schnitts, eines Moments, in dem „alles neu gemacht“ wird.

Ich bin in der letzten Zeit viel nach Innen gegangen und habe einmal mehr die Frage gestellt, wie würde Christus mit den Ereignissen der heutigen Zeit umgehen. Wenn ich versuche, mich an der Gestalt Jesu zu orientieren, nicht an späteren Deutungen, sondern an seinem erkennbaren inneren Geist, dann fällt eines deutlich auf, dass er nie kollektive Umbrüche als Spektakel gedeutet. Er hat den Fokus immer wieder vom äußeren Ereignis auf das innere Herz gelenkt. Als Menschen ihn nach Zeichen, nach Zeiten, nach dramatischen Wendepunkten fragten, wich er aus oder relativierte. Stattdessen sprach er von Wachheit, von innerer Umkehr, von Liebe zum Nächsten, von Standhaftigkeit im Vertrauen. Er verschob den Schwerpunkt, weg von der Angst vor dem Kommenden, hin zur Haltung im Jetzt. Ich glaube nicht, dass Jesus Menschen geraten hätte, sich in Szenarien zu verlieren, weder in Furcht vor einem „Reset“ noch in der Hoffnung auf einen reinigenden Umbruch. Dramatische Erwartungen binden Bewusstsein an Projektionen und Projektionen erzeugen entweder Angst oder Erlösungsfantasien. Er hätte vermutlich gesagt: „Fürchtet euch nicht und lasst euch nicht verführen von Spekulationen“, Sucht das Reich nicht im äußeren Zusammenbruch, sondern in euch“. Tatsächlich gibt es im Neuen Testament Aussagen Jesu, die sehr drastisch klingen, etwa die Ankündigung, dass „kein Stein auf dem anderen bleiben wird“. Solche Formulierungen waren keine nüchternen Zeitprognosen, sondern symbolische Verdichtungen. „Kein Stein auf dem anderen“ bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der Welt, sondern das Ende eines Systems, einer Ordnung, einer scheinbar unerschütterlichen Struktur. Hier liegt die tiefere Linie in Jesu Lehre, denn er lenkt den Blick nicht auf die Faszination des Zusammenbruchs, sondern auf die innere Standfestigkeit im Zusammenbruch. Seine zentrale Botschaft in diesen Passagen lautet sinngemäß: Lasst euch nicht verführen, fürchtet euch nicht, bleibt wach. Er beschreibt äußere Erschütterungen, aber er fixiert das Bewusstsein nicht darauf.

Wenn man das in den aktuellen Zusammenhang stellt, wird es interessant, denn auch heute erleben wir das Zerbrechen vertrauter Strukturen. Institutionen verlieren Vertrauen und Weltbilder geraten ins Wanken. Das fühlt sich für manche wie ein „kein Stein bleibt auf dem anderen“ an. Doch Jesus’ Fokus lag nie auf der Spekulation über Zeitpläne oder dramatische Szenarien. Sein Fokus lag auf der Frage: Wie bleibt ihr innerlich ausgerichtet, wenn das Äußere wankt?

Apokalyptische Sprache erzeugt leicht die Erwartung eines äußeren Ereignisses, eines „Resets“. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die eigentliche Bewegung eine Entlarvung falscher Sicherheiten ist. Wenn ein Tempel, im übertragenen Sinn, zusammenbricht, fällt das, worauf Menschen ihre Identität gebaut haben und dann zeigt sich, was trägt. Das klingt zunächst nach einem äußeren Ereignis, aber die entscheidende Pointe ist nicht der Einsturz, sondern die innere Frage danach: Worauf hast du gebaut? Das äußere Szenario ist nicht von Bedeutung, sondern die Fundamente, nicht das Spektakel, sondern die Ausrichtung und auch nicht der Reset, sondern das Herz, das auch im Wandel nicht verhärtet.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de danke

Quelle: Klaus Praschak

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