2026-03-17

Klaus Praschak: Zwischen Haben und Sein


Um das mal ganz klar zu sagen, unsere Gesellschaft macht uns psychisch krank. Und das liegt daran, dass im Mittelpunkt der Gesellschaft nicht der Mensch steht, denn dort steht das Wachstum der Wirtschaft. Der Kapitalismus gibt uns vor, wie wir Lebensqualität verstehen. Wir werden nicht auf das Leben vorbereitet, sondern wir werden darauf vorbereitet in einer Konsumgesellschaft zu funktionieren und ein seelisch gesunder Mensch, wäre ein schlechter Konsument. Als guter Konsument muss ich mich ständig mit anderen vergleichen und ich darf nie damit zufrieden sein, was ich bereits in meinem Leben habe. Ich darf gar nicht glücklich sein. Ich muss mich permanent in einer seelischen Krise befinden und diese Krise ist die Voraussetzung unserer Wohlstandsgesellschaft. Da liegt doch der Gedanke nah, dass wir die falsche Form von Wohlstand kultivieren. Wir haben den äußeren Wohlstand alles untergeordnet und dafür unseren inneren Wohlstand vollkommen vernachlässigt, Wohlbefinden, Lebensfreude, die Fähigkeit das zu lieben was an uns liebenswert ist. Diese Eigenschaften würden unser aller Bewusstsein vollkommen verändern und ganz ehrlich, eine Gesellschaft, in der seit Jahren immer mehr seelische Erkrankungen diagnostiziert werden, hat eine Bewusstseinsveränderung ziemlich nötig.
( Michael Nast )

Wenn man diesen Gedanken in den Kontext einer gelebten Geistigkeit stellt, wird deutlich, dass es hier nicht nur um gesellschaftliche Kritik geht, sondern um eine tiefere Frage nach dem Menschenbild, das wir leben. Eine Gesellschaft, die den äußeren Wohlstand über alles stellt, richtet ihren Blick zwangsläufig nach außen. Wachstum, Leistung, Vergleich und Konsum werden zu zentralen Orientierungspunkten. Der Mensch wird dabei oft unbewusst zu einem Funktionsträger innerhalb eines Systems, dessen Maßstab nicht das innere Gleichgewicht, sondern die Steigerung von Produktion und Verbrauch ist. Aus der Perspektive gelebter Geistigkeit zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Hier steht nicht das Haben im Mittelpunkt, sondern das Sein. Der Mensch wird nicht primär als Konsument verstanden, sondern als bewusstes Wesen, das in der Lage ist, sich selbst wahrzunehmen, zu reflektieren und in Verbindung mit seinem inneren Wesen zu treten. In diesem Licht wird verständlich, warum ein rein äußerlich orientiertes System auf Dauer zu innerer Unruhe führen kann.

Wenn der Mensch ständig im Vergleich lebt, wenn er nie zur Ruhe kommt, weil er immer „mehr“ sein oder haben soll, entsteht ein Zustand, der der eigenen inneren Natur widerspricht. Die Seele sucht nicht nach permanenter Steigerung, sondern nach Sinn, Verbundenheit und innerer Stimmigkeit.
 
Manchmal frage ich mich, wie Jesus auf unsere heutige Konsumgesellschaft blicken würde. Würde er sie verurteilen? Würde er sie ablehnen? Oder würde er, wie so oft, tiefer schauen und den Menschen hinter all dem erkennen? Wenn man die Worte und das Wirken von Jesus betrachtet, fällt auf, dass er den äußeren Besitz nie in den Mittelpunkt gestellt hat. Immer wieder sprach er davon, dass der Mensch nicht vom Materiellen lebt, sondern von einer tieferen Quelle. „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“ und dieser Satz bekommt in unserer Zeit eine besondere Bedeutung.

Ich denke, er würde die Gesellschaft nicht als solche kritisieren, sondern den Zustand, in dem sich viele Menschen darin befinden. Ein Leben, das sich ständig im Außen orientiert, das sich über Besitz, Vergleich und Anerkennung definiert, entfernt den Menschen immer mehr von sich selbst. Es ist fatal, dass Besitz den Platz einnimmt, der eigentlich dem inneren Leben gehört. Jesus hat den Menschen immer wieder eingeladen, sich nach innen zu wenden. Er sprach vom „Himmelreich in euch“, also von einer Wirklichkeit, die nicht im Außen gefunden werden kann. In diesem Licht würde er vielleicht sagen; ihr sucht an der falschen Stelle, denn das, wonach ihr euch sehnt, kann euch keine äußere Welt geben. Gleichzeitig war Jesus kein Weltflüchtiger. Er ging unter die Menschen, begegnete ihnen im Alltag, sprach mit ihnen auf Augenhöhe. Auch heute würde er nicht gegen die Konsumgesellschaft kämpfen, sondern versuchen, inmitten dieser Welt Räume zu öffnen, Räume, in denen Menschen wieder fühlen, zuhören und sich selbst begegnen können. Er würde uns daran erinnern, dass ein erfülltes Leben nicht daraus entsteht, immer mehr zu haben, sondern daraus, wieder in Verbindung zu kommen, mit sich selbst, mit anderen und mit dem, was man als göttlichen Ursprung bezeichnen kann. Am Ende würde seine Botschaft wahrscheinlich einfach bleiben, so wie damals: „Es ist nicht das Äußere was euer Leben bestimmt, sondern das, was in euch lebendig ist.

Klaus Praschak

Bild: printerest. de danke

Quelle: Klaus Praschak

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.

Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.