2026-10-28

Frank Schwede: Warum gotische Bauwerke geheime Botschaften enthalten


Im zwölften Jahrhundert entwickelt sich in Frankreich ein einzigartiger architektonischer Stil, der die gesamte Kirchenarchitektur revolutionieren sollte: die Gotik. Die Kathedralen erheben sich majestätisch in die Höhe, während Licht ihre Innenräume durch farbenfrohe Fenster durchflutet. Die Baumeister der Gotik waren Universalgenies mit einem enormen Wissen. Sie waren nicht nur Meister der Baukunst, sondern auch in den Disziplinen der Physik, Mathematik und Chemie versiert und bewahrten ein Wissen, das sie geheim hielten.

Rippengewölbe, Spitzbogen und Strebefeiler bilden eine feste Komponente des gotischen Formenkanons. Besonders die Beleuchtungsdynamik motivierte die Baumeister dazu, weitläufige Fenster zu installieren, die die Innenräume erhellen und den Besuch der Kathedrale zu einem bereichernden Erlebnis machen. Bis zum heutigen Tag stellen Kathedralen ein Rätsel dar.

Aus welchen Quellen stammen das Wissen und die Technologie für den Bau dieser Monumente? Welche Geheimnisse verbirgt die Statik der gestreckten Streben, Säulen und Pfeiler? Die mysteriöse Kraft, die Kathedralen bis heute umgibt, ist genauso unbekannt, wie die genialen Architekten der Gotik.

Von Frankreich aus breitete sich die Gotik zügig in ganz Europa aus. Im Mittelalter gab es in fast allen großen Städten entsprechende Beispiele für den neuen geheimnisvollen Stil, so wird beispielsweise der Stephansdom in Wien zum Wahrzeichen der Stadt

Die Kathedrale von Chartres ist das vielleicht beeindruckendste Bauwerk. Im Gegensatz zu fast allen anderen gotischen Bauten weist sie eine Besonderheit auf. Sie wurde zwischen den Jahren 1194 und 1220 mit einem ausgesprochen knappen Budget und ohne jedes moderne Hilfsmittel geradezu in Rekordzeit von nur 26 Jahren fertiggestellt. Experten glauben daher, dass es kaum Stilverfälschungen gibt.

Da die Kathedrale von Chartres mit verborgenen Botschaften, Rätseln und Geheimnissen verbunden ist, lässt sie die Besucher oft sprachlos zurück. In seinem 2014 erschienen Buch „Hidden Realities“ schreibt der US-amerikanische Autor Frederick Dodson, dass die Kathedrale nach den sieben Chakren errichtet wurde.

Die Besucher gelangen durch das Königsportal in das Gotteshaus und sehen sich zunächst erstaunt einem riesigen Labyrinth aus 273 Steinplatten gegenüber - genau die gleiche Anzahl an Tagen, die ein Embryo vor der Geburt im Mutterleib verweilt. Dodson kennt auch den Grund dafür. Er schreibt:

„Die Kathedrale von Chartres symbolisiert den menschlichen Körper, während das Labyrinth direkt in der Mitte der Brust bzw. des Herzens gelegen ist. Wenn man dem Herzen folgt, erreicht man einen spiralförmigen nach oben führenden Weg.

Wer die Mitte des Labyrinths erreichen möchte, muss eine Distanz von 261, 5 Metern zurücklegen, und es besteht keine Veranlassung zur Sorge, sich zu verirren, da jeder das Ziel erreicht.“


Das Chartres-Labyrinth, genauso wie das Trojaborg-Labyrinth, wird als Einweg-Labyrinth bezeichnet. Das bedeutet, dass man alle Wege des Labyrinths gegangen ist, sobald man das Ziel im Zentrum erreicht hat.

Der Einfluss der Heiligen Geometrie

Der Ursprung des Labyrinths liegt im Mittelalter. Es handelt sich um ein altes, antikes, klassisches Muster. Es ist in verschiedenen französischen Kathedralen zu finden, aber das auf dem Boden der Kathedrale von Chartres ist nicht nur das bekannteste, sondern auch das größte.

Ohne Zweifel zählt dieses Gotteshaus zu den imposantesten gotischen Bauwerken. Es wird angenommen, dass die Templer bei der Gestaltung der Kathedrale all ihre Kenntnisse der Heiligen Geometrie und Symbole eingesetzt haben.

Ein Hinweis darauf liefert die Anordnung der Pfeiler und Kapitelle, die angeblich symbolische Bedeutungen und proportionale Beziehungen aufweisen. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass gotische Gotteshäuser aus einem steinernen Gerüst mit gläsernen Wänden bestehen, die in erster Linie ästhetischen Zwecken dienen.

Im Jahr 1118 wurden zehn Ritter in Jerusalem auf dem heutigen Tempelberg, der einstigen Stätte des Salomonischen Tempels, über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgebildet, um in Europa den Orden der Tempelritter zu gründen und gleichzeitig einen neuen Baustil zu entwickeln: die Gotik, die bis heute unverstanden geblieben ist. Darüber hinaus werden die Templer bis heute als der geheimnisvollste Ritterorden angesehen, der direkt vom Papst geleitet wurde.

Die Epoche der Templer umfasste einen Zeitraum von etwa 400 Jahren, beginnend im 12. Jahrhundert und bis ins 16. Jahrhundert reichend. Der Beginn erfolgte einige Jahrzehnte nach dem ersten Kreuzzug. Die Zeit unterteilt sich in die Frühgotik, die Hochgotik und die Spätgotik.

Es wird postuliert, dass die Templer in Jerusalem das geheime Göttliche Gesetz entdeckt haben, welches die Prinzipien der „Heiligen Geometrie“ umfasst, die einen erheblichen Einfluss auf Gotik ausübte.

Im Verlauf von 100 Jahren wurden in Europa 150 monumentale Kirchenbauten im Stil der Hochgotik errichtet. Dazu gehören unter anderem der Kölner Dom, der Stephansodom in Wien, die Kathedrale von Chartres und einige andere.

Für diese imposanten Bauwerke gab es weder eine Übergangszeit noch einen zweiten Versuch. Von Anfang an waren die Gebäude perfekt und wurden ohne Unterbrechung fertiggestellt.

Es fällt auf, dass mit dem Tod des letzten Großmeisters durch den Scheiterhaufen im Jahr 1314 der Orden der Tempelritter und auch die Kunst der Gotik ein jähes und unerwartetes Ende nahm. .

Die Kathedrale von Chartres wurde aus zwei wesentlichen Gründen erbaut: Zum einen, um die Verehrung der Jungfrau Maria zu fördern, und zum anderen, um die Macht sowie die Bedeutung der katholischen Kirche eindrucksvoll zu repräsentieren.

Es wird angenommen, dass der Goldene Schnitt als Grundlage für den Grundriss der Kathedrale dient. Die Abstände zwischen den einzelnen Säulen, die Länge des Mittelschiffs sowie die Querschnittsmaße und die Dimensionen des Chors stellen ein Vielfaches derselben Zahl dar.

Kathedralen im Sternbild Jungfrau

Besonders hervorzuheben sind die drei stets wiederkehrenden Formen Kreis, Quadrat und Dreieck. Im Fundament des Gotteshauses bilden sie eine Darstellung des Himmels.

Besucher, die beabsichtigen, das außergewöhnliche Gotteshaus Mitte Juni zur Sommersonnenwende aufzusuchen, sollten dies um die Mittagszeit tun, da am 21. Juni zur Mittagsstunde ein Sonnenstrahl durch eine kleine Öffnung im Glas des ersten Fensters der Westmauer des Querschiffs auf eine weiße Fliese im Boden trifft.

Es scheint, dass die Kachel absichtlich rechteckig und schräg platziert wurde. In ihr wurde ein goldschimmernder metallischer Zapfen integriert, der an diesem besonderen Tag im Jahr vom Sonnenlicht erfasst wird. Lediglich ein Astronom ist in der Lage, auf eine derartige Idee zu gelangen. Eine Frage blieb bis heute unbeantwortet: Welche Bedeutung hat dieses Schauspiel?

Erstaunlich ist zudem, dass die Kathedrale von Chartres als einzige unter den zahlreichen Kathedralen und Domen keine Ostperspektive hat. Alle gotischen Kathedralen in Nordfrankreich bilden aus der Luft betrachtet das Sternbild der Jungfrau. Hierzu gehören unter anderem Reims, Amiens und Rauen.

Jede der Kathedralen des Sternbildes Jungfrau repräsentiert einen unterschiedlichen Aspekt der Qualität der kosmischen Mutter, wobei Chartres an einer besonders bedeutenden Schnittstelle positioniert ist. Alle Eigenschaften der Jungfrauenkathedrale treffen sich hier in einem einzigen Tempel.

Es wird sogar angenommen, dass es eine „Elle von Chartres“ gibt, die dem hunderttausendsten Teil von zwei Meridiangraden entspricht, die auf dem Breitengrad von Chartres gemessen werden. Dies impliziert, dass die Baumeister den Umfang der Erde präzise kannten – zu einer Zeit, in der viele Menschen davon ausgingen, die Erde sei eine Scheibe.

Die Farbe, die für das Glas der Kirchenfenster verwendet wurde, stellt ein weiteres Geheimnis dar. Diese Glasart fand ausschließlich während der Hochgotik Anwendung. Das Besondere daran besteht darin, dass das Glas auf den Lichteinfall nicht in der Weise reagiert, wie es bei herkömmlichem Fensterglas der Fall ist.

Wenn das Sonnenlicht auf die farbenfrohen Glasstücke in den Fenstern trifft, werden sie zu einem Edelstein, der das Licht zwar nicht vollständig durchlässt, aber selbst erstrahlt.

Selbst bei intensiver Sonneneinstrahlung reflektiert das Glasfenster, im Gegensatz zu herkömmlich gefärbtem Glas, nicht seine Farbe auf den Boden, sondern lässt lediglich eine diffuse Helligkeit hindurchscheinen.

Ähnlich der Gotik trat dieses geheimnisvolle Glas im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts unerwartet in Erscheinung und verschwand ebenso abrupt zur Mitte des 13. Jahrhunderts.

Anscheinend ist es ein Werk der Alchemie. Die Glasmacher waren wahre Meister ihres Handwerks, die sich ihrer Tätigkeit in vollem Umfang bewusst waren. Sie haben das Glas mit Kobalt, Sand und Asche versehen. Die exakte Rezeptur ist bis zum heutigen Tage ein wohlgehütetes Geheimnis geblieben.

Eines der berühmtesten Fenster ist unter dem Titel „Notre-Dame de la Belle Verriére“ (Unsere Liebe Frau vom schönen Buntglasfenster) bekannt. In dem Fenster ist die Jungfrau Maria abgebildet, die das Jesuskind auf dem Schoß hält.

Es wird angenommen, dass die Tunika, die Maria bei der Geburt Jesu getragen haben soll, in der Kathedrale aufbewahrt wurde. 876 wurde die Reliquie angeblich von König Karl der Kahle an diesen Ort transportiert.

Als das Gotteshaus im Jahre 1194 niederbrannte waren die Bewohner des Ortes der Überzeugung, dass Gott sie für ihre Sünden bestrafen wollte – jedoch soll das heilige Hemd auf wundersame Weise unversehrt wieder erschienen sein.

Es wird berichtet, dass Mönche es rechtzeitig vor dem Inferno gerettet und in der Krypta unter der Kathedrale sicher aufbewahrt haben. Die Einwohner von Chartres interpretierten dies als ein Wunder und ein Zeichen der Jungfrau Maria, um die Kathedrale wiederherzustellen.

Bis heute beeindrucken Kathedralen ihre Besucher mit ihrer einzigartigen Atmosphäre, die außerhalb von Raum und Zeit liegt. Es wird sogar behauptet, dass in diesen mysteriösen Gotteshäusern die Uhren aufgrund der Raumzeitkrümmung anders laufen.

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Frank Schwede 
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[max: Danke, lieber Frank💖]

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