
Wir kamen nackt in diese Welt,
kein Rang, kein Amt war uns bestellt.
Wir kannten weder Pflicht noch Zeit,
nur Hunger, Nähe, Zärtlichkeit.
Dann lehrten sie uns Schritt für Schritt,
und jeder nahm die Regeln mit.
Der eine trug des Staates Kleid,
der andre suchte Ewigkeit.
Der Mönch verneigte sich im Raum,
der Schüler folgte seinem Traum,
der Priester sprach vom höchsten Licht,
dem Feldherrn widerspricht man nicht.
Die Glocke rief, die Stunde schlug,
ein jeder lernte früh genug,
dass Ordnung, Halt und Heimat gibt,
solang man nicht nur Ordnung liebt.
Der eine übte still Verzicht,
der andre suchte Gottes Licht.
Der dritte lernte, stramm zu stehen,
der vierte wollte selbst verstehen.
Und jeder Mensch versprach dem Geist,
dass es den rechten Weg ihm weist.
Doch wer bestimmt, was richtig sei,
und wann ein Mensch tatsächlich frei?
Ist Freiheit nur, was uns gefällt?
Ist Ordnung schon die bessre Welt?
Ist Widerspruch ein Zeichen von Verstand?
Ist jede Führung eine fremde Hand?
Womöglich startet Freiheit dort,
wo wir verstehen jedes Wort,
das uns erzog, das uns geprägt,
das unser Denken weiterträgt.
Wo wir die alten Regeln sehen,
sie prüfen und dann neu verstehen,
wo wir nicht schreien, nur aus Trotz,
nicht niederknien vor jedem Protz.
Wo Disziplin uns Stärke schenkt,
doch niemals unser Denken lenkt,
wo keine Mauern uns mehr trennen,
wir uns in jedem Sturm erkennen,
wo wir Gemeinschaft leben können,
und uns zum EINEN Licht bekennen.
Denn nicht der Mensch ist wirklich frei,
dem jede Ordnung einerlei und er ist auch nicht wirklich groß,
wenn er die Ängste nicht lässt los.
Frei ist, wer seinen Weg erkennt,
die innere Stimm` beim Namen nennt,
wer folgen kann, doch selbst entscheidet,
und unter keiner Macht mehr leidet.
Dies ist der tiefste Sinn von Anbeginn:
Nicht Menschen formen, die parieren,
nicht Menschen, die sich selbst verlieren,
doch Menschen, die im Leben
sich selbst und anderen Freiheit geben.
Die weder herrschen noch sich beugen,
nur um den eignen Wert zu zeugen.
Die fragen, zweifeln und verstehen,
und dennoch miteinander gehen.
Denn eines Tages schweigt der Lehrer,
verstummt der Abt, entfernt sich der Beschwerer.
Die Glocke klingt ein letztes Mal, die Uniform fällt ab, Pflicht wird zur Wahl.
Was dann bleibt ist der Mensch:
wenn fremdes Urteil ihn nicht lenkt,
er selbst bestimmt, was er bewahrt und denkt,
dann wird aus dem, was man aus ihm gemacht,
ein Mensch, der plötzlich selbst erwacht.
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