Denn in ihr liegt der Zugang zu den feinstofflichen Ebenen, zu jener Sprache, in der die Seele kommuniziert. Der sogenannte moderne Mensch lebt fast ausschließlich aus einem kleinen Areal seiner linken Gehirnhälfte, dem Bereich der Analyse, der Kontrolle, der logischen Struktur. Diese Dominanz hat ihn weit von der Welt der inneren Bilder, Symbole und Archetypen entfernt. So wurde das Leben zu einem Rechenmodell, die Sprache zu reinen Begriffen, und die Welt verlor ihre Heiligkeit. Doch die rechte Gehirnhälfte ist der Tempel der Mystik, hier beginnt das Erleben jenseits des Denkens. Wenn beide Hemisphären in Harmonie schwingen, wird das Denken vom Fühlen durchlichtet und das Fühlen vom Denken getragen. Dann wird das Symbol wieder lebendig, das Wort wieder heilig, und das Leben selbst zum Gebet. In dieser Vereinigung, wenn Intellekt und Intuition, Verstand und Herz, linke und rechte Gehirnhälfte sich wieder gegenseitig ergänzen, wird der Mensch zum Brückenbauer zwischen Himmel und Erde. Er beginnt, das Unsichtbare zu sehen und das Sichtbare zu verstehen. Wenn wir das Symbolhafte der Mystik wieder erfahren wollen, müssen wir die Tore zur rechten Gehirnhälfte öffnen, jenem inneren Raum, in dem Bilder, Ahnungen und leise Gewissheiten wohnen.
Denn der moderne Mensch, gefangen im Lärm des Rationalen, lebt meist nur aus einem engen Bereich der linken Hemisphäre, die zergliedert, analysiert und benennt, doch selten das Ganze erfasst. Die rechte Gehirnhälfte hingegen ist das Auge des Herzens. Sie spricht in Farben, Klängen und inneren Bildern, sie fühlt, bevor sie denkt, und erkennt das Unsichtbare im Sichtbaren. Um ihr wieder Gehör zu schenken, müssen wir aus dem ständigen Strom der Reize heraustreten und uns der Stille anvertrauen, denn in der Stille beginnt das Unsichtbare zu sprechen. Die Natur hilft uns dabei, denn sie ist die große Lehrmeisterin des inneren Sehens.
Ein Sonnenstrahl, der durch die Bäume fällt, das Lied eines Vogels, das sanfte Rauschen des Windes, sie alle sprechen in Symbolen, nicht in Worten. Und wer still genug wird, versteht diese Sprache wieder intuitiv.
Kunst, Musik, Tanz, Gebet oder poetisches Schreiben sind Tore zu dieser Sphäre. Sie lassen uns fühlen, bevor wir erklären, sehen, bevor wir benennen. In solchen Momenten verschmelzen Geist und Seele und das Alltägliche verwandelt sich in einen heiligen Raum. Wahre Mystik beginnt nicht in alten Schriften, sondern in der Bereitschaft, das Leben wieder mit den Augen des Herzens zu betrachten.
Gerade in diesem Zusammenhang, dem Wiedererwachen der rechten Gehirnhälfte, der inneren Bilderwelt und des mystischen Sehens, wird die Aussage Jesu „Werdet wie die Kinder“ zu einem zentralen Schlüssel. Das Wiedererwachen der rechten Gehirnhälfte, der inneren Bilderwelt, der Intuition und des unmittelbaren Fühlens kann nur dann harmonisch geschehen, wenn unser Leben von den göttlichen Tugenden durchdrungen wird. Denn Tugenden sind nichts anderes als geistige Schwingungsqualitäten, die das Herz reinigen und den inneren Raum für das Göttliche bereiten. Wenn wir Tugenden leben, wird unser Denken still, unsere Wahrnehmung klar, und das Göttliche beginnt, durch uns zu handeln, nicht mehr aus Ego, sondern aus der inneren Führung heraus.
Dann verschmelzen die beiden Kräfte, Denken und Fühlen,
Kopf und Herz, männlich und weiblich, zu jener Einheit, die das mystische Bewusstsein trägt.
Klaus Praschak
Bild: printerest.de danke
Quelle: Klaus Praschak

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.
Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.