2026-01-21

Otfried Weise: DIE SIEBEN WESEN DES WUNDERS DES WERDENS


Das Unbekannte ist geballte reine Fruchtbarkeit.

Es drückt kein Fehlen von Wissen oder Können aus, sondern einen fruchtbaren Schoß voller schöpferischer Möglichkeiten.

Wo wir noch keinen Namen ahnen, dort versammelt sich die reine potentielle Kraft des lebendigen Werdens.

Leere ist keine Abwesenheit. Sie ist ein Raum der Fülle des wachen erwartungsvollen Lauschens in die Stille. Ein tiefer geräuschloser Atemzug vor dem jungfräulichen Wort. Eine stille Glut, die verwandelt, transformiert und aufbaut.

Leere ist das Feld, das noch brach liegt, nicht betreten wurde, und gerade deshalb alles (er)tragen wie halten kann.

Abwesenheit ist nicht Mangel, sondern die Einladung, genauer hinzusehen, tiefer zu lauschen. Erneuerung geschieht nicht in der Enge des Vollgestopften, sondern im mutigen Öffnen des Raumes.

Und so verweben sich diese grundlegenden Kräfte –
das Unbekannte, das Leere, das Fruchtbare –
zu einer Tapisserie, zu einem behutsamen Kreislauf des ewigen Lebens.

DIE SIEBEN WESEN des Wunders des Wirkens & Werdens

Die Leere
Ein unbeschriebenes Blatt Papier im Morgengrauen,
noch kühl, kühn und rein, aber bereits vibrierend voller Geschichten & Gedichten, die nur darauf warten, gelesen und rezitiert zu werden.

Das Abwesende
Der Stuhl am Ende des Tisches, auf dem niemand platzgenommen hat, und der doch mehr sagt als alle besetzten Plätze – weil er Erinnerung in sich trägt und Raum für Begegnung lässt.

Das Unbekannte
Ein steiler steiniger Pfad im Nebel, dessen ungewisses Ende niemand jemals erahnt, der aber mit jedem Schritt Vertrauen lehrt und mit jedem tiefen vollen Atemzug Herausforderung und Mut ausstrahlt.

Das Fruchtbare
Die dunkle glänzende Erde unter dem Schnee, nur scheinbar reglos, doch voller hoffnungsvoller Samen, die im Verborgenen bereits heimlich vom Frühling träumen.

Die Erneuerung
Der erste ergiebige nährende Regen nach langer Dürre, wenn der Staub aufatmet und selbst die Steine zeigen, dass sie im Grunde genommen Lebewesen sind.

Das schöpferische Feuer
Eine einsame Kerze in der Nacht, doch hoffnungsvoll und herausfordernd lodernd, stark genug, um weite Räume aus Schatten zu befreien und schöpferische Gedanken zu entzünden.

Das Leben
Ein Samen, der einen Spalt im Asphalt findet und genau dort beschließt zu wachsen – nicht trotz der Enge, sondern weil er seine unbändige Kraft erprobt und voller Vertrauen allen Herausforderungen trotzt.

So ist LEERE kein Ende, sondern ein Anfang ohne Zwang.
Das UNBEKANNTE kein Risiko, sondern ein Verheißung.
Und das LEBEN selbst eine fortwährende Erneuerung
aus dem KRAFTVOLLEN, SCHÖPERISCHEN FEUER DER UNENDLICHEN MÖGLICHKEITEN.

Bild: Chanakya Lama

Quelle: Otfried Weise

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bei Kommentaren bitten wir auf Formulierungen mit Absolutheitsanspruch zu verzichten sowie auf abwertende und verletzende Äußerungen zu Inhalten, Autoren und zu anderen Kommentatoren.

Daher bitte nur von Liebe erschaffene Kommentare. Danke von Herzen, mit Respekt für jede EIGENE Meinung.