2026-01-26

Otfried Weise: GEGENWÄRTIG SEIN


Vielleicht ist genau das die Kunst: nichts hinzufügen, nichts wegnehmen, nur präsent sein, und wahrnehmen, dass das Leben längst alles schenkt – geheimnisvoll, unaufdringlich, unerschöpflich.

Es gibt keine Vergangenheit, keine Zukunft,
nur diese weite, atmende Gegenwart.
Sie ist kein in sich ruhender Punkt,
kein angehaltener Augenblick,
sondern Bewegung ohne Absicht und Ziel,
Impuls ohne festen Takt,
ein offenes Feld,
ein lebendes, pulsierendes, zeitloses Gewebe.

Diese Präsenz lebt.
Sie dehnt sich, verformt sich,
erscheint und verschwindet zugleich.
Unendlich vielfältig,
wechselnd wie Licht auf Wasser,
niemals festzuhalten,
niemals zu wiederholen.
Sie folgt keiner vertrauten Logik,
kennt keine linearen Erklärungen.

Sie verwundert –
und doch überrascht sie nicht.
Denn wer nichts erwartet,
kann nur mit offenem Herzen empfangen.
Alles ist frei. Alles darf geschehen.
Nicht als Zufall, sondern als Einladung.
Das Leben ist Güte
im Gewand des Augenblicks,
Gnade ohne Bedingung,
ein ständiges Ja zu dem, was JETZT ist.

Wir lassen los.
Wir greifen nicht mehr ein.
Wir schwingen mit. Wir leben Resonanz.
Und im voll Präsent sein
bestätigt sich Vertrauen.
Kein blindes Hinnehmen,
sondern ein stilles inneres Wissen
und Wahrnehmen ohne Worte.
Es trägt uns. Es beglückt uns.
Nicht, weil alles sicher wäre,
sondern weil nichts mehr festgehalten werden muss.
So wird Lebendigkeit spürbar:
als Offenheit,
als Durchlässigkeit,
als Mitgehen mit dem,
was sich zeigt.

Wir stehen voll im Leben,
mitten im ständigen Wandel.
ATMEND, LAUSCHEND,
GEGENWÄRTIG, HEILSAM.

BILD: Chanakya Lama

Quelle: Otfried Weise

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