In ihrer Lehre stand nicht die äußere Kirche im Mittelpunkt, sondern der Tempel des Geistes im Menschen selbst. Sie glaubten, dass die sichtbare Welt nur ein Schleier ist, der das wahre Licht verhüllt, und dass die Seele, durch Erkenntnis, Liebe und das bewusste Streben nach Reinheit, aus diesem Schleier erwachen kann. Der Weg zu Gott war für sie ein Weg der Läuterung, der inneren Reinigung, ein Weg vom Schein zur Wahrheit, vom Schatten zum Licht.
So lebten die Katharer in schlichter Demut und großer Hingabe. Sie suchten kein Machtamt und keinen Besitz, sondern die Reinheit des Herzens, in dem das göttliche Feuer unverfälscht brennen kann. Ihr Leben war Ausdruck jener Worte Christi, die im Evangelium kaum verstanden, doch in der Stille des Geistes offenbar werden: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“
Die wahren Lehren Christi sind nicht an ein Dogma gebunden. Sie sind eine Schwingung, eine Kraft, ein Licht, das den Menschen in die Erinnerung an seine göttliche Herkunft führt. So wie die Engel in der Mystik den Menschen zur inneren Welt hinführen, so öffnet auch der katharische Weg das Tor vom Äußeren zum Inneren, vom Sinnlichen zum Geistigen.
Denn wer den Weg der Reinheit geht, wer den Garten seiner Seele pflegt und das Licht in sich entfaltet, der beginnt, die Welt der Sinne zu überwinden. Nicht, weil sie schlecht wäre, sondern weil er erkennt, dass sie nur ein Abbild, ein Spiegel der höheren Wirklichkeit ist. So führt die Lehre der Katharer ,wie jede wahre mystische Tradition, zur Überwindung der Welt der Sinne und zur Heimkehr in das göttliche Licht, das jenseits aller Formen leuchtet. Ich selbst fühle mich der mystischen Sichtweise der Katharer zutiefst verbunden, denn sie entspricht der inneren Wahrheit, die ich in den lichtvollen Ebenen meines eigenen Erlebens gefunden habe. Wenn ich in die feinstofflichen Dimensionen des Lichts eintrete, erkenne ich jene Wirklichkeit wieder, von der die alten „Reinen“ sprachen, das Reich des Geistes, das jenseits der vergänglichen Welt liegt und doch alles durchdringt.
In diesen Zuständen innerer Schau offenbart sich mir eine Welt, die nicht von den Sinnen getragen wird, sondern von Licht, Bewusstsein und Liebe. Dort ist das göttliche Prinzip Christi, als leuchtende Gegenwart, lebendig, die alles durchstrahlt und verbindet. Es ist das gleiche Licht, das in der Lehre der Katharer anklingt: das Licht, das erlöst, indem es uns an unser wahres Sein erinnert. Darum empfinde ich die mystische Lehre der Katharer nicht als etwas Vergangenes, sondern als etwas zutiefst Gegenwärtiges. Sie lebt weiter in der inneren Erfahrung jedes Menschen, der still wird, sich dem Licht öffnet und das Göttliche in sich selbst erkennt.
Klaus Praschak
Bild: printerest.de

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