2026-07-15

Klaus Praschak: Die Freiheit des Mystikers - was Jesus unter Freiheit verstand


Für viele Menschen bedeutet Freiheit, finanziell unabhängig zu sein, sich erfüllen zu können, was sie sich wünschen, reisen zu können, wann und wohin sie möchten. Ihr Blick richtet sich dabei vor allem auf die äußeren Möglichkeiten des Lebens.
 
Für einen Mystiker hat Freiheit eine tiefere Dimension.

Sie beginnt dort, wo der Mensch nicht länger von seinen Ängsten, Begierden, Erwartungen oder Verletzungen beherrscht wird. Wahre Freiheit entsteht nicht durch das, was wir besitzen, sondern durch das, wovon wir innerlich frei geworden sind.
 
Ein Mensch kann in einem Palast leben und dennoch Gefangener seiner Wünsche sein. Ein anderer besitzt kaum mehr als das Nötigste und strahlt eine Freiheit aus, die mit Geld nicht zu erwerben ist.
Allerdings glaube ich auch, dass ein Mensch, der Millionen besitzt und nicht an ihnen hängt, freier ist als jemand der arm ist, aber ständig von Neid, Angst oder Gier bestimmt wird. Entscheidend ist nicht der Besitz, sondern ob der Besitz den Menschen besitzt. Der Mystiker sucht deshalb nicht in erster Linie die Freiheit, alles tun zu können, sondern die Freiheit, nicht mehr von allem abhängig zu sein. Er entdeckt eine innere Unabhängigkeit, die weder Erfolg noch Besitz, weder Anerkennung noch Kontrolle benötigt. Je weniger die Welt seine Identität bestimmt, desto freier wird sein Geist. Diese Freiheit kann ihm niemand schenken und niemand nehmen. Die tiefste Form von Freiheit ist es, ganz im Leben zu stehen, ohne von ihm gefesselt zu werden. 

Deshalb konnte Paulus schreiben: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ (Galater 5,1) Und unmittelbar danach macht er deutlich, dass diese Freiheit kein Freibrief für Selbstverwirklichung ist, sondern sich in der Liebe erfüllt: „Dient einander durch die Liebe.“ (Galater 5,13) So lässt sich das Freiheitsverständnis in einem Satz zusammenfassen: Frei ist nicht der Mensch, der tun kann was er will, sondern der, der nicht mehr von dem beherrscht wird, was ihn von der Liebe trennt. So besteht die eigentliche Befreiung darin, dass der Mensch von allem loskommt, was ihn daran hindert, in der Gegenwart Gottes zu leben. In diesem Sinn ist Freiheit kein äußerer Zustand, sondern eine Frucht der Vereinigung mit Gott.

Klaus Praschak

Bild: printerest.de

Quelle: Klaus Praschak

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