Seit ich mich erinnern kann, hat sich mein Leben wie ein Kampf ums Überleben angefühlt.
Ich habe viel zu früh Lektionen gelernt, die kein Kind jemals lernen sollte. Ich habe Dinge erlebt, die mich geprägt haben, lange bevor ich das Verständnis hatte, sie einzuordnen. Und im Laufe der Jahre brachte das Leben immer wieder Herausforderungen mit sich, die von mir verlangten, mich aufzurappeln, mich zusammenzureißen und einen Weg nach vorne zu finden – selbst wenn ich innerlich müde war.
Ich habe gelernt, durchzuhalten. Ich habe gelernt, mich anzupassen. Ich habe gelernt, weiterzumachen, weil Aufgeben keine Option war.
Ich habe mich daran gewöhnt, meine eigenen Lasten zu tragen, meine eigenen Kämpfe zu bestehen und die Kraft zu finden, weiterzumachen – selbst in Momenten, in denen ich mich fragte, wie viel mehr man von einem Menschen noch erwarten kann.
Irgendwann auf diesem Weg wurde das Überleben zur Gewohnheit. Stark zu sein wurde zur Erwartung. Vorwärtszugehen wurde zu einer Lebensweise.
Aber mit der Zeit habe ich etwas verstanden: Man kann so viele Jahre damit verbringen, zu lernen, wie man überlebt, dass man vergisst, wie es sich anfühlt, einfach nur zu leben.
Und ich bin müde.
Nicht besiegt. Nicht ohne Hoffnung. Und ganz sicher nicht ohne Dankbarkeit für das Leben, das mir geschenkt wurde.
Ich bin einfach müde davon, dass der Kampf ein so vertrauter Begleiter ist.
Ich habe keine Lust, die Jahre, die mir noch bleiben, damit zu verbringen, unnötige Kämpfe auszutragen, im Chaos zu leben oder irgendjemandem meine Stärke beweisen zu müssen. Ich habe genug über Not gelernt, um zu wissen, dass Frieden keine Schwäche ist und die Entscheidung für ein ruhigeres Leben keine Kapitulation.
Es ist Weisheit.
Was ich mir jetzt wünsche, ist wunderbar einfach.
Ich wünsche mir friedliche Morgen und ruhige Abende. Ich wünsche mir Lachen, das ganz natürlich kommt, eine Gemeinschaft, in der ich mich geborgen fühle, und Liebe, bei der ich mir nicht im Unklaren darüber bin, wo ich stehe. Ich wünsche mir Ehrlichkeit ohne Grausamkeit, Zuneigung ohne Manipulation und Beziehungen, in denen Respekt und Freundlichkeit in beide Richtungen fließen.
Ich möchte meine Schutzmauer fallen lassen können, ohne Angst davor zu haben, was passieren könnte, wenn ich das tue.
Ich möchte jene Art von Frieden erleben, in der das Herz sich nicht mehr gezwungen fühlt, sich auf den nächsten Sturm vorzubereiten.
Ich weiß, dass das Leben niemals ohne Herausforderungen sein wird. Ich verlange keine perfekte Welt, noch erwarte ich, dass sich jeder Tag so entwickelt, wie ich es mir wünsche. Ich habe lange genug gelebt, um zu verstehen, dass manche Dinge außerhalb meiner Kontrolle liegen.
Aber ich weiß auch, dass ich das Recht habe, zu entscheiden, was ich in mein Leben lasse, was ich nicht länger akzeptiere und worin ich die Zeit und Energie investiere, die mir noch bleibt.
Meine Vergangenheit ist Teil meiner Geschichte, aber sie muss nicht jedes folgende Kapitel bestimmen.
Ich kann nicht zu dem Jungen zurückkehren, der Schutz brauchte. Ich kann die Jahre, die mich auf die Probe gestellt haben, nicht ungeschehen machen, noch kann ich jede Entscheidung, jeden Verlust oder jede Not ändern, die mich an diesen Punkt gebracht haben. Aber ich kann mir selbst etwas schenken, das mir auf diesem Weg allzu oft gefehlt hat: Geduld, Mitgefühl und die Erlaubnis, mich auszuruhen.
Vielleicht ist das ein Teil der Heilung, die mit dem Alter und der Selbsterkenntnis einhergeht. Wir beginnen zu verstehen, dass wir nicht ständig beweisen müssen, wie viel wir ertragen können. Wir müssen nicht an Orten bleiben, die unseren Frieden stören, nur weil wir gelernt haben, Unbehagen zu ertragen. Und wir müssen uns das Recht, mit Freundlichkeit behandelt zu werden, nicht erst verdienen.
Ich habe einen Großteil meines Lebens damit verbracht, zu lernen, wie man stark ist.
Jetzt möchte ich lernen, wie man im Frieden lebt.
Ich möchte leben, nicht nur überleben. Die einfachen Freuden eines gewöhnlichen Tages zu schätzen. Ohne Angst zu lieben, zu geben, ohne mich selbst zu verlieren, und mit einem ruhigeren Herzen und einem klareren Verständnis dafür, was wirklich zählt, voranzugehen.
Ich habe genug getragen. Ich habe genug gelernt. Ich habe genug ertragen.
Ich verlange vom Leben nicht, dass es mir alles gibt. Ich bitte lediglich um die Gelegenheit, den Frieden zu genießen, nach dem ich so viele Jahre lang gesucht habe.
Und wenn es eine Sache gibt, von der ich glaube, dass ich sie mir in all den Jahren hinter mir verdient habe, dann ist es diese:
Die Freiheit, die kommenden Jahre zu leben, ohne ständig um das Recht kämpfen zu müssen, mich sicher, geliebt und im Frieden zu fühlen.
Ich habe genug überstanden.
Jetzt möchte ich leben.
Und ich glaube, das ist nicht zu viel verlangt.
Quelle: James William Kaler
[übersetzt von mascha: Herzlichen Dank lieber James💖Wir freuen uns über eure Unterstützung, Von Herzen Danken wir Euch💖]

Du sprichst mir aus dem Herzen. Genau an diesem Punkt bin ich auch.
AntwortenLöschenGenau!!! Bei mir ebenso
LöschenGenau so ist es, als hätte meine Seele gesprochen. Danke
AntwortenLöschenhttps://pocketbook.de/das-grosse-evangelium-johannes-band-1-9783748175308
AntwortenLöschenWirklich wahr, genau das habe ich heute laut gedacht. Es reicht. Jetzt will ich leben.
AntwortenLöschenDear James, thank you so much God bless you💖
AntwortenLöschenDanke für diese Worte. Ich fühle genauso.
AntwortenLöschenLieber James, mein Mitgefühl ist bei Dir, vielleicht magst Du aber bedenken, dass Deine Seele genau diesen Weg geplant hat? Mir hat dieses Wissen sehr geholfen um wirklich alles annehmen zu können! Fühle Dich umarmt❤
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