2026-01-15

Klaus Praschak: Präsenz statt Programm - Die Rückkehr in den inneren Raum / Fortsetzung


Gerade in Zeiten von Unsicherheit, Beschleunigung und Reizüberflutung ziehen sich viele Menschen enger in ihre inneren Programme zurück, statt sie zu hinterfragen. Plattformen wie z. B. TikTok machen das besonders sichtbar, weil sie Impulsivität, Reaktion und emotionale Kurzschlüsse belohnen. Das ist kein moralisches Problem, sondern es ist ein Bewusstseinsphänomen. Nun sollte man erst einmal verstehen, warum solche Plattformen so stark greifen und weshalb sich die inneren Programme verstärken. Die inneren Programme verstärken sich, wenn Orientierung fehlt, wenn innere Leere spürbar wird, das Nervensystem überlastet ist und Bedeutung gesucht wird. Viele Inhalte von Videos, die wir als Unsinn aus niedrigen Motiven wahrnehmen ,entstehen aus Geltungsdrang, Angst vor Bedeutungslosigkeit, unverdauter Emotion und dem Wunsch, irgendwie Resonanz zu bekommen. Das Programm will nicht „schaden“. Es will sich spüren. Das macht es nicht sinnvoll, aber erklärbar.

Menschen, die sehr mit ihren Programmen identifiziert sind, können nicht direkt reflektieren, weil das Programm selbst spricht. Jede äußere Kritik wird dann als Angriff erlebt und verstärkt die Identifikation. Programme lösen sich nicht durch Belehrung, sondern durch Präsenz. Menschen lösen sich nicht aus Programmen, weil ihnen jemand sagt, sie seien unbewusst. Sie lösen sich, wenn sie jemandem begegnen, der nicht reagiert, nicht mitmacht, nicht mitzieht und dennoch präsent bleibt. Präsenz wirkt regulierend und sie ist ansteckender als Argumente, aber langsamer. In der heutigen Zeit ist die Hygiene im Umgang mit den Medien wirklich entscheidend. Bewusster Umgang bedeutet auch Inhalte zu meiden, die das Nervensystem herunterziehen, nicht alles „wissen zu müssen“ und aus Selbstfürsorge, Pausen bewusst zu setzen, denn wer ständig Programme konsumiert, wird selbst programmatischer. Nicht jeder Mensch ist gerade an einem Punkt, an dem Bewusstsein wachsen will.

Manche leben Programme durch, bis sie erschöpft sind. Andere beginnen früher zu beobachten, aber beides gehört zur Zeitqualität. Bewusster Umgang mit inneren Programmen heißt, sie zu sehen, ohne sich mit ihnen zu verwechseln, andere nicht zu missionieren, den eigenen inneren Raum sauber zu halten und dort präsent zu bleiben, wo andere automatisch reagieren. Einfach gesagt: Programme brauchen Reaktion – Bewusstsein braucht Raum. Wer diesen Raum hält, lebt bereits anders, auch mitten in einer lauten, impulsiven Zeit.

Nun ist es recht einfach, Menschen zu beeinflussen, wenn man weiß, wie die menschliche Programmierung funktioniert. Es ist einfacher zu beeinflussen als zu kontrollieren, und dauerhaft wirksam ist es nur dort, wo innere Unfreiheit bereits vorhanden ist. Wer nach Macht strebt, muss keine neuen Programme erschaffen. Er aktiviert vorhandene, Angst, Zugehörigkeitsbedürfnis, Kränkung, Wunsch nach Bedeutung und Schuld oder Feindbilder. Diese Programme existieren bereits im Menschen. Macht wirkt dort, wo sie Resonanz findet, nicht dort, wo sie von außen aufgezwungen wird. Programmierbarkeit entsteht aus innerer Abwesenheit und Menschen sind besonders leicht beeinflussbar, wenn sie innerlich erschöpft sind, sie sich orientierungslos fühlen, sie wenig Selbstkontakt haben und ihr Nervensystem dauerhaft überreizt ist.

Klaus Praschak

Bild: printerest. de danke

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